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Innovationspreis Weiterbildung für ARBEIT UND LEBEN Sachsen

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Am 26.11.2008 wurde ARBEIT UND LEBEN Sachsen der Innovationspreis Weiterbildung 2008 des Freistaates für das Projekt "Eine Kultur des Verstehens und der Verständigung" verliehen. Stellvertretend für den Verein nahm Iris Kloppich, Vorsitzende von ARBEIT UND LEBEN Sachsen und stellvertretende Vorsitzende des DGB Sachsen, die Auszeichnung aus den Händen des Sächsischen Kultusministers Roland Wöller entgegen.

Wöller hob in seiner Würdigung die Akualität des Themas frühkindlicher Bildung in Bezug auf die derzeitigen bildungspolitischen Anstrengungen des Freistaates Sachsen hervor. Iris Kloppich stellte dar, dass es eine wichtige Aufgabe von Gewerkschaften und ihnen nahestehenden Einrichtungen ist, aktiv für die Integration von Migrantinnen und Migranten zu arbeiten. „Mit dem Projekt wurde gezeigt, dass es möglich ist, auch bereits in Kindertagesstätten interkulturelle Erfahrungen zu vermitteln.“

Im Wettbewerb ehielt ARBEIT UND LEBEN Sachsen den 1. Preis. Die Einrichtung ist damit nach 2004 erneut Preisträger im wichtigsten Sächsischen Weiterbildungpreis. Der Innovationspreis Weiterbildung wird vom Freistaat Sachsen jährlich für beispielhafte Innovationen in der allgemeinen, beruflichen, wissenschaftlichen, politischen oder kulturellen Weiterbildung vergeben. Mit der Auszeichnung sollen herausragende Ideen oder Projekte eine öffentliche Anerkennung finden. Das gute Beispiel soll dazu anregen, eigene Ideen umzusetzen und bestehende Projekte und Initiativen zu nutzen oder weiter zu verbreiten.

Das Projekt 

Das von 2007 bis 2008 laufende Projekt von ARBEIT UND LEBEN Sachsen in Zusammenarbeit mit Forikolo e.V. und dem Pädagogen Otto Herz ist eine interkulturelle „Weiterbildung on the job“ für Pädagogen und Pädagoginnen in der Kinderarbeit. Es erprobte gemeinsam mit Kindertagesstätten der Stadt Leipzig und Paten aus Afrika und Südamerika eine neue Kultur des Verstehens und der Verständigung. Ansatzpunkt des Projektes waren dabei die internationalen Leipziger Städtepartnerschaften in Europa, Afrika und darüber hinaus. Die innovative Kernidee besteht darin, durch den Einsatz geschulter Paten eine interkulturelle Weiterbildung für Erzieherinnen zu gestalten, die folgende Vorteile vereint:

  • wenig zusätzliche zeitliche Ressourcen erforderlich
  • ermöglicht „learning on the job“
  • bereichert pädagogisches Spektrum nachhaltig

Die Vernetzung verschiedener Zielgruppen (Eltern, Migranten, Kinder, ErzieherInnen) erzeugt darüber hinaus gemeinsames, ganzheitliches und interkulturelles Lernen auf verschiedenen Ebenen. Mit einfachen Mitteln wirkt das Projekt sowohl in die frühkindliche Bildung als auch die elterliche Erziehung hinein. 

Umsetzung 

Sechs in Leipzig wohnhafte Paten und Patinnen aus Partnerstädten in Honduras, Äthiopien, Tansania und Kamerun wurden eingeladen, in drei Kindertagesstätten der Stadt Leipzig zusammenzukommen und über einen längeren Zeitraum aktiv mitzuarbeiten. Sie brachten sich für ein halbes Jahr an zwei Tagen in der Woche in den Kindertagesstätten ein, übernahmen im Arbeitsalltag eigenständig Aufgaben und entwickelten eigene Angebote. In regelmäßigen Abständen fanden Patenschulungen zu aktuellen Themen, auch Irritationen und Fragen statt. Durch die Teilnahme an diesen Workshops wurden die Paten prozessbegleitend auf Ihre Tätigkeit vorbereitet und für den Einsatz in der interkulturellen Bildungsarbeit geschult.

Jede beteiligte Kindertagesstätte wurde in diesem Prozess des Entwickelns „einer Kultur des Verstehens und der Verständigung“ mit fünf Veranstaltungen von einem externen Coach begleitet. Die ErzieherInnen der Einrichtung, die Paten und das verwaltungstechnische Personal werten in den begleitenden Gesprächsrunden ihre Erfahrungen in der interkulturellen Begegnung aus und vertiefen und diskutieren inhaltlich Aspekte interkulturellen Lernens. Darüber hinaus fanden drei einrichtungsübergreifende Veranstaltungen für die ErzieherInnen und Eltern zur Vernetzung und zum gegenseitigen Austausch statt. Die Moderation durch den Pädagogen Otto Herz bot Gelegenheit, Notwendigkeiten von Interkulturalität in Bildungseinrichtungen, pädagogische Konzepte und Ideen der Gestaltung einer interkulturellen Öffnung zu diskutieren. 

Das Projekt wurde im Rahmen einer großen, öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung im Juli 2008 abgeschlossen.

Ergebnisse

  • Das Projekt ermöglichte das Aufdecken von Stereotypen gegenüber Menschen aus anderen Ländern. Der amfängliche Wunsch seitens der Kindertageseinrichtungen, dass die Paten verstärkt „traditionell“ ihre Kultur repräsentieren und inhaltlich gestalten sollen, zeigt die Reproduktion von typischen nationalistischen Klischees. Deshalb wurde verstärkt darauf geachtet, dass die eigenen und persönlichen Kompetenzen der Paten zum Ausdruck kommen und nicht nur Klischees wie „Afrikaner tanzen, kochen und trommeln“ bedient werden. Herkunft soll nicht als wichtigstes Merkmal herausgestellt, das eigentliche Ziel ist es, die Paten als „normale“ MitbürgerIn Leipzigs vorzustellen. 
  • Es wurde im Projektverlauf verstärkt darauf geachtet, dass die Paten nicht stellvertretend für die Kultur oder des ganzen Kontinents stehen und Stereotype verbreitet werden. Die Erzieher legten Wert darauf, den Paten als Individuum in seiner ganzen Person wahrzunehmen und bezogen seine Familie, sein Umfeld und seine biographischen Erfahrungen in Leipzig in die Gestaltung des Arbeitsalltags mit ein. Die eigene Auseinandersetzung mit persönlichen Stereotypen und Einstellungsmustern wurde bei den ErzieherInnen verstärkt. 
  • Die ErzieherInnen erlebten in der Zusammenarbeit mit den Paten, dass der situative Ansatz, direkt und spontan auf Ereignisse und Äußerungen der Kinder einzugehen, von Relevanz für das interkulturelle Lernen ist. Der Ausspruch eines Kindes „Schau mal, der ist ja schwarz und dreckig!“ wurde gleich als Inhalt einer Veranstaltung genutzt, mit Körperfarben auf der Haut über Unterschiede bei allen Menschen zu sprechen. 
  • Es wurde deutlich, dass die ErzieherInnen verstärkt über weitere Möglichkeiten der interkulturellen Öffnung nachdenken und bezogen Kinder und Eltern anderer Herkunft bereits in die Arbeit mit ein (ein irakischer Vater eines Kindertageskindes hat z.B. zusammen mit den Paten ein Frühlingsfest gestaltet).
  • Beobachtungen von Kindern in den Einrichtungen zeigten, dass sie großes Interesse haben, neue Länder kennen zu lernen und Freude in der Zusammenarbeit mit den Paten zeigten. Ihre anfänglichen Ängste und Ablehnungen gegenüber dem „fremden schwarzen Mann“ wurden durch das gemeinsame Tun und Gestalten des Kindergartenalltags deutlich abgebaut – sogar die Eltern berichten, dass die Kinder freudig Zuhause von ihren neuen Freunden berichten. Die Wirkungsebene „Eltern“ wurde dadurch implizit erreicht und auch die Eltern signalisierten den ErzieherInnen Dankbarkeit, dieses Projekt im Kindergarten umgesetzt zu haben.