Auftaktveranstaltung: Erstorientierungskurse in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen

Auftaktveranstaltung: Erstorientierungskurse in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen

Ab dem 1. September 2017 finden in allen sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende (EAE) Erstorientierungskurse statt, die sich sowohl konzeptionell als auch inhaltlich am Modellprojekt Wegweiserkurse der Kooperationspartner ARBEIT UND LEBEN Sachsen und Sächsischer Volkshochschulverband e.V. orientieren. Aus diesem Anlass fand am 4. September 2017 die Auftaktveranstaltung „Erstorientierungskurse in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen“ in der Landesgeschäftsstelle von ARBEIT UND LEBEN Sachsen in der Leipziger Löhrstraße statt.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Frank Schott, Geschäftsführer ARBEIT UND LEBEN Sachsen, würdigte die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping in ihrem Grußwort die bisher geleistete Arbeit und stellte mit Blick auf die Zukunft klar: „Integration ist kein Sprint; Integration ist ein Marathon.“

Anschließend zeichneten Stefan Grande, stellvertretender Geschäftsführer ARBEIT UND LEBEN Sachsen und Georg List vom Sächsischen Volkshochschulverband e.V. mit detaillierten Informationen zu beiden Projekten die Entwicklung „Von den Wegweiserkursen zu den Erstorientierungskursen“ nach: Im Rahmen der einwöchigen Wegweiserkurse konnten über 8000 Asylsuchende bei ihren ersten Schritten in den Bereichen sprachliche Orientierung und Alltagsorientierung unterstützt werden. Die Kursteilnehmer/-innen wurden dabei jeweils 15 Unterrichtseinheiten von DaZ-Fachkräften und weitere 15 Unterrichtseinheiten von Kulturmittler/-innen angeleitet. Kulturmittler/-innen sind Lehrkräfte mit Migrationshintergrund und können den Asylsuchenden mit wichtigen Informationen in der jeweiligen Landessprache zur Seite stehen – ein Konzept, das sich im Modellprojekt bewährt hat: Auch im Rahmen der sächsischen Erstorientierungskurse werden künftig von ARBEIT UND LEBEN Sachsen ausgebildete Kulturmittler/-innen zum Einsatz kommen.

Ulrike Stansch moderiert die Podiumsdiskussion

Viel Übereinstimmung zwischen den Diskutierenden herrschte anschließend beim Podiumsgespräch zum Thema „Die Erstorientierungskurse im Kontext gelingender Integrationsarbeit“ moderiert von Ulrike Stansch von ARBEIT UND LEBEN Sachsen: Prof. Dr. Ulrich Klemm, Geschäftsführer Sächsischer Volkshochschulverband e.V., eröffnete seinen Redebeitrag mit einem Verweis auf ein pädagogisches Prinzip – „Auf den Anfang kommt es an!“ – und unterstrich damit ein weiteres Mal die Wichtigkeit der Erstorientierungskurse. Martin Wessels, Geschäftsführer Malteser Hilfsdienst gGmbH, gab seinem Vorredner recht, ergänzte jedoch: „Bildungsangebote müssen weiter gehen.“

Dies fand auch die Zustimmung von Frank Schott, der insbesondere die Relevanz von Angeboten zur Integration in Ausbildung und Arbeit hervorhob. Die Wegweiserkurse mit ihrem starken Fokus auf die Alltagsorientierung seien dabei eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung, die beispielsweise im Rahmen der KAUSA Servicestellen und des Projektes  Arbeitsmarktmentoren gestaltet wird. Schott verwies z.B. auf Herrn Akhash, einen ehemaligen Kursteilnehmer aus dem Iran, der aktuell im Projekt Arbeitsmarktmentoren bei ARBEIT UND LEBEN Sachsen Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz als Bäcker erhält.

Nach der Podiumsdiskussion ließen die DaZ-Dozentinnen Rosa Hauch und Silke Treiber sowie die beiden Kulturmittler Mahmoud Dabdoub und Iyad Dayoub das Publikum an ihren vielfältigen Erfahrungen im Rahmen des Wegweiser-Projekts teilhaben: Mahmoud Dabdoub beschrieb seine Arbeit als „Herzenssache“ und die Sprachdozentin Rosa Hauch berichtete von Neugier und anfänglicher Unsicherheit, die aber schnell einer großen Freude an der Tätigkeit gewichen sei.

Tim Neuhäuser und Georg List von der neugegründeten Landeskoordination Erstorientierung

Im zweiten Teil der Veranstaltung hatten die Anwesenden die Möglichkeit, die Vorstellung der Landeskoordination Erstorientierung zu verfolgen, die als Kooperationsprojekt von ARBEIT UND LEBEN Sachsen und dem Sächsischen Volkshochschulverband e.V. konzipiert ist, und an einem Kick-off-Workshop teilzunehmen, der von Tim Neuhäuser und Georg List als Vertreter der jeweiligen Einrichtungen moderiert wurde. Dabei wurden sowohl die Erwartungshaltungen der verschiedenen Beteiligten als auch Detailfragen besprochen.

Die Resonanz der etwa 40 Anwesenden war durchweg positiv: „Die Veranstaltung war eine runde Sache“ resümierte ein Teilnehmer. Dennoch besteht auch weiterhin Gesprächs- und Handlungsbedarf. Deswegen möchte die neuformierte Landeskoordination Erstorientierung die Fragen und Anregungen aller Beteiligten aufgreifen und im Rahmen der weiteren Arbeit daran anknüpfen.

Kulturmittlerin beteiligt sich an der Diskussion