Ist Mitbestimmung in der Ausbildung möglich? Diese Frage stellten sich Auszubildende und Ausbilder/-innen im Rahmen der gleichnamigen XENOS-Fachtagung am 23. September 2008, organisiert durch die Projektpartner ARBEIT UND LEBEN Sachsen und den Berufsbildungsverein Leipzig. Über 50 Teilnehmende an der Fachtagung aus unterschiedlichen Bereichen der beruflichen Ausbildung, der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig, der Landesdirektion Leipzig, der Stadt Leipzig sowie der Stadtfraktionen, tauschten sich mit den am Projekt beteiligten Auszubildenden und Ausbildern über demokratische Mitwirkung in der Ausbildung aus.
Im XENOS-Projekt „Demokratie in Aktion“ wurden die Auszubildenden aus den betriebsnahen Ausbildungszentren für die Themen Demokratie, Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung sensibilisiert und für weitere Aktivitäten für Vielfalt und Toleranz motiviert. Auf freiwilliger Basis entstanden so über 30 Kleinprojekten, die sich für einen toleranten und demokratischen Umgang in der eigenen Ausbildungsstätte einsetzten. Eingesetzte Teamer im Projekt berichtetem vom Stolz der Auszubildenden, dass sie es geschafft haben, wirklich etwas auf die Beine zu stellen. Claudia Ratering, Projektmitarbeiterin ARBEIT UND LEBEN Sachsen, verwies auf die Ergebnisse aus den Workshops mit Ausbildern zum Demokratielernen im Betrieb. Zum Beispiel wünschten sich die Ausbilder verstärkt Seminare gemeinsam mit ihren Auszubildenden zum Abbau von Rechtsextremismus, das Kommunizieren mit den Auszubildenden auf gleicher Augenhöhe und stärkere Diskussion auch im Team mit allen Mitarbeiter/-innen der Einrichtung.
In vier verschiedenen Workshops diskutierten dann die Teilnehmenden, wie Demokratieprozesse in der Ausbildung befördert werden können. Unterstützt wurden sie dabei von Experten aus der Arbeit der Mobilen Beratungsteams, Beratern demokratischer Veränderungsprozesse und Prozessmoderatoren demokratischer Schulentwicklung. Dass demokratische Veränderungsprozesse Zeit brauchen und Menschen, die sich dafür einsetzen und engagieren – darin waren sich alle einig. Wichtige Erkenntnisse waren darüber hinaus, dass Strukturen geschaffen werden müssen, die auch eine wirkliche Einbeziehung der Auszubildenden im Fokus haben. Eine Auszubildende meinte: im Ausbildungsbetrieb mit entscheiden zu dürfen - das sei für sie Mitbestimmung.
Erste Schritte zu demokratischer Organisationsentwicklung im Betrieb wären in diesem Sinne ein „Respektvolles Miteinander“, fortführende Diskussionen in den Einrichtungen auch über die Ergebnisse dieser Fachtagung, das Beginnen in kleineren Gruppen immer mit Blick auf die gesamte Struktur der Ausbildungseinrichtung von den Auszubildenden, den Ausbildern und Pädagogen bis hin zur Geschäftsleitung. Prinzipiell - so die Teilnehmenden der Fachtagung - sei Mitbestimmung in der Ausbildung möglich. Hier bedarf es aber noch eines Umdenkens in den Köpfen der beteiligten Personen und in der Struktur der betriebsnahen Ausbildung selbst.
XENOS-Fachtagung "Mitbestimmung in der Ausbildung"