Wie können Unternehmen mit der aktuellen Pandemie-Krise umgehen und welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung? Hierzu geben Experten aus dem "Zentrum digitale Arbeit" Antworten in aktuellen Interviews.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung verändern sich Charakter und Inhalt vieler Arbeitsplätze. Welche Herausforderungen ergeben sich für die berufliche und soziale Weiterbildung der Beschäftigten in den Betrieben und Einrichtungen?
Markus Schlimbach: Die digitale Transformation der Arbeitswelt läuft und läuft. Um hier Schritt zu halten, ist Weiterbildung für Beschäftigte eine echte Existenzfrage – jetzt und in Zukunft. Die Zeiten, als nach der Ausbildung das Berufsleben bei nur einem Arbeitgeber bis zum Rentenalter reichte, ohne eine nennenswerte Fortbildung durchlaufen zu haben – diese Zeiten sind endgültig vorbei. Seit Jahren fordern die DGB-Gewerkschaften daher ein Umdenken in der Wirtschaft. Bildung wird zu einem immer wichtigeren Kapital der Firmen.

Das bedeutet also lebenslanges Lernen?
Markus Schlimbach: Genau. Viele Beschäftigte schreckt diese Vorstellung längst nicht mehr. Denn die Erfahrung der heute 20- bis 40-Jährigen sind ja häufig wechselnde und weiter wachsende Anforderungen bei der Arbeit. Wer die Praktikumsphase hinter sich hatte, fand sich nur selten in festen Jobs wieder, sondern eher in befristeten Anstellungen oder in zeitlich definierten Projektjobs. Nicht umsonst heißt es allgemein, Leih- oder Zeitarbeit ist jung. Die Digitalisierung ist heute das Thema Nummer eins. Aber alle Technologien und die Art, wie Dienstleistungen erbracht werden, schreiten auch in Zukunft schneller voran und werden die Arbeitswelt immer neu erschaffen. Da ist Weiterbildung eine bleibende Aufgabe für alle. Eine rein vom Unternehmen gesteuerte Fortbildung der Belegschaften wird da einfach nicht mehr funktionieren, ohne diese einzubeziehen.

Wie können betriebliche Akteure, die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen gestärkt und begleitet werden, damit sie zu aktiven Mitgestaltern in dieser komplexen Transformation in der Arbeitswelt werden?
Markus Schlimbach: Das ist ein neues, weiterwachsendes Betätigungsfeld für Betriebs- und Personalräte, gewerkschaftliche Vertrauensleute und die Gewerkschaften insgesamt. Klar werden die Unternehmen dafür sorgen, dass ihren Leuten die nötigen Fähigkeiten antrainiert werden, die sie für neue Produkte und Dienstleistungen brauchen. Aber wir wissen auch: Wer weitergebildet wird, entscheidet die Chefetage. Individuelle Bestrebungen, in der Firma aufzusteigen, werden zu oft unterdrückt. Das muss sich ändern, indem die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen stärker darüber mitbestimmen können. Zunehmend wird vor diesem Hintergrund die Nutzung von Bildungszeit interessant. Der DGB Sachsen fordert in einer seit 2018 laufenden Kampagne pro Jahr fünf freie Tage für Bildung, die Beschäftigte für individuelle, aber auch berufliche Weiterbildung nutzen können.

Wie kann es gelingen, dass neben der aktuellen Bewältigung der Folgen von Corona noch mehr KMU digitale Innovationen als Chance für eine zukunftsfähige Arbeitsgestaltung und Fachkräftesicherung nutzen?
Markus Schlimbach: Die Hemmschwellen bei der Einführung digitaler Innovationen müssen besonders bei KMU gesenkt werden. Ein offenes Klima in den Firmen ist nötig – eine Grundlage dafür bildet eine starke Einbeziehung der Beschäftigten. Wer offen für ihre Vorschläge ist und einen kommunikativen Führungsstil pflegt, wird in der Belegschaft mehr Zustimmung auch zu digitaler Arbeit finden. Um ein solch offenes Klima nachhaltig zu schaffen, sind für uns Mitbestimmung und Tarifverträge unerlässlich. Kluge Unternehmen haben das verstanden und erzielen durch Statistiken belegt mehr Gewinne und höhere Produktivität als andere, die auf Gutsherrenart mit Lohndumping Vorteile sichern wollen.


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Dr. Petra Gärtner

Leitung Zentrum digitale Arbeit; Stellv. Geschäftsführerin